 |
<< Presse
Montag, 1. Oktober 1990
Ein Hauch von Schwermut
Musik jüdischer Komponisten in der alten Synagoge
Mit Friedemann Treutlein am Klavier und Jochen Brusch auf die Violine wurde nach der Sommerpause die Konzertreihe
"Freitagabend in der Synagoge" mit musikalischen Werken jüdischer Komponisten fortgesetzt. Das Programm umfasste Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Max Bruchs Schottische Fantasie op. 46 (1880), Carl Goldmarks
"Air" aus dem Violinkonzert a-Moll op. 28. Ernest Blochs
"Nigun" (Improvisation) aus "Baal Shem" (Three Pictures of chassidic life 1923). Joseph Achrons Hebräische Melodie op. 35 Nr. 1. Fritz Kreislers
"Recitativo und Scherzo-caprice" op. 6 sowie Felix Mendelssohn-Bartholdys
"Auf Flügeln des Gesanges" op. 34 Nr. 2.
Jochen Brusch ist ein zur Zeit in Jungingen lebender Konzertgeiger, der an den Musikhochschulen Duisburg, Essen und Hannover studierte. Seine umfassende Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker führte ihn nun auch nach Hechingen, wo er ein begeistertes Publikum fand, dass seine Verehrung bekannter
jüdischer Komponisten zum Ausdruck brachte.
Jochen Brusch führte die Zuhörer zunächst verbal in die Lebenswege und kompositorischen Werdegange der Tonsetzer ein und verwies auf die jahrhundertealte Tradition der Pflege des Geigenspiels in jüdischen Familien, woraus weltbekannte Virtuosen auf diesem Instrument
(Auer,
Achron, Bloch, Kreisler) hervorgingen.
Die vielfach in Moll geschriebenen und auch am Freitagabend aufgeführten Werke unterliegen Einflüssen sowohl jüdisch-religiöser Musik (Synagogengesängen) als auch des jeweiligen Geschmacks der Spätromantik wie der Modeme.
Virtuosität und technisches Know-how, wie sie die beiden Künstler mitbrachten, sind für die Aufführung dieser Werke allemal unabdingbare Voraussetzung. Dazu kam bei beiden eine hochsensible Musikalität. Ton für Ton sowohl auf dem Klavier als auch auf der Sologeige waren von spürbarer Innenspannung erfüllt, gepaart mit hoher dynamischer Flexibilität. So zeichneten die beiden Instrumentalisten durchweg charakteristische musikalische Bilder, über denen nicht selten ein Hauch von Schwermut lag, bei denen Klänge sichtbar, erlebbar und fühlbar wurden.
|
 |