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<< Repertoire
Fritz Kreisler, "König der Geiger" wie er oft bezeichnet wurde, war eine der fesselndsten
Musikerpersönlichkeiten des Jahrhunderts. Unter seinen Millionen von Anhängern
zählte er auch die großen Violinvirtuosen der Zeit. Yehudi Menuhin, David Oistrach, Nathan Milstein, Jascha Heifetz und viele andere waren aufrichtige Bewunderer seiner Kunst und hatten Kreislersche Violinstücke in ihrem Repertoire. Auch der unvergessene Henryk Szeryng zählte
zu dieser Gemeinde der Kreisler-Verehrer. Von ihm stammt folgende
schöne Hommage des Meisters:
Fritz Kreisler gehört wie Nicolo Paganini zu den größten Geigern, die wir kennen. Wie Paganini bedachte er sein Instrument mit zahlreichen Kompositionen. Aber während der Italiener sich an
der Entwicklung einer Melodie zu brillant und teuflisch schwer zu spielenden Variationen
erfreute, mied Kreisler die Virtuosität um ihrer selbst willen. Seine "Transkriptionen" und
Originalkompositionen verraten den Zauber und den Genius einer einzigartigen musikalischen Persönlichkeit. Reiche Belohnung wird dem zuteil, der sich den
größen Schönheiten Kreislerscher Musik hingibt. In jeder seiner Kompositionen wusste Kreisler eine starke künstlerische Empfindsamkeit mit dem tiefen Wissen um die Geheimnisse des Geigenspiels zu verbinden. Seine
Interpretationen von Werken Bachs, Beethovens, Mozarts, Mendelssohns, Schumanns und Brahms' werden unvergessen bleiben.
Doch auch der Adel, den er belangloseren Stücken zu geben verstand, ließ hier seinen Vortrag zu einem besonderen Erlebnis werden. Seine Tongebung kannte erstaunliche Schattierungen, bei den kantabelsten Melodien in gleicher Weise wie in kraftvoll energiegeladenen Partien. Kein Geräusch
löste die Berührung zwischen Bogen und Saiten aus, es sei denn einen Ton von wunderbarer Reinheit und tragender Kraft.
Schönheit der Phrasierung und rhythmische Intensität waren in allen Tempi gegenwärtig.
Kreislers linke Hand brachte das schönste Vibrato hervor, das ich je gehört habe, ein Vibrato, das es ihm möglich machte, alle Farben hervorzuzaubern, die er wünschte. Mit äußerster Fertigkeit und Feinfühligkeit wurde der Lagenwechsel vollzogen. Und schließlich spielte er
Doppelgriffe und Triller mit solcher Reinheit und Präzision, dass er sie ohne weiteres als klangvolle
Beigabe mancher Originalkomposition zusetzte. Aber, trotz allem war Kreislers Spiel schlicht und von einer zwingenden Werktreue.
Kreisler war Gelehrter und Künstler zugleich. Seine Privatbibliothek war eine der erlesensten der Welt. Er war eng vertraut mit den Werken großer Dichter und Philosophen aus Ost und West, die er in den Originalsprachen - alten und neuen - zu lesen pflegte. Und, ganz im Gegensatz zu den meisten Musikern, war er auch wissenschaftlich interessiert. Gleichwohl war Kreisler ein einfacher Mensch, freigiebig und herzlich. Er hatte die seltene Gabe, glücklich zu sein und andere Menschen glücklich zu machen. Der Zauber seiner Persönlichkeit war außergewöhnlich - der Wiener Charme seiner Heimat immer gegenwärtig in seinem Spiel und in seinen Kompositionen, ein Charme, der Millionen Menschen auf der ganzen Welt in seinen Bann
zog.
Mögen wir ihm lauschen bei einem Tanz oder einer Kadenz, einer Meditation oder einem Gebet – immer werden wir berührt von seiner einzigartigen Kunst.
Die Fritz Kreisler-Abende
Der Wunsch, meine seit frühen Jugendjahren gehegte Liebe zu Fritz Kreislers Musik mit Anderen zu teilen, führte vor 20 Jahren zu meinen ersten Kreisler Programmen.
Seither habe
ich so manchen Kreisler Abend gegeben. Während Zuhörer, Klavierbegleiter und Programmzusammenstellungen wechselten, war - in aller Bescheidenheit - die Begeisterung des Publikums für diese musikalischen Kostbarkeiten immer groß.
Wie zu des Meisters eigenen Zeiten sprechen auch heute Kreislers kurze Kompositionen und Bearbeitungen nicht nur den versierten Liebhaber an.
In gleichem Maße ist auch der "unvorbereitete" Zuhörer in der Lage, den Zauber dieser Musik zu empfinden. Kreisler hatte in der Tat "die Gabe, andere glücklich zu machen", wie Henryk Szeryng schreibt. Heute, über 40 Jahre nach dem Tode des Komponisten und ungefähr 100 Jahre nach ihrer Entstehungszeit, ist diese Musik so beglückend wie eh und
jeh.
Einführende Kommentare
Bei meinen Kreisler-Abenden erzähle ich zwischen den einzelnen Werken über Leben und Werk des Meisters.
Neben zeitgenössischen Zitaten und wissenswerten Einzelheiten wird dabei auch Anekdotisches und Amüsantes
zu Wort kommen. In entspannter Atmosphäre kann der Zuhörer auf diese Weise gleichsam in die uns heute so nostalgisch anmutende Welt des Fritz Kreisler eintauchen und dem Charme seiner Persönlichkeit sowie dem Geist seiner Epoche
näher kommen.
Selten im Konzertsaal
Obwohl zahlreiche Veröffentlichungen von Fritz Kreislers Musik auf Tonträgern vorliegen, sind seine Werke im Konzertsaal eher selten zu hören. Dieser Programmvorschlag mit bekannten und unbekannten Stücken von Fritz Kreisler möchte dazu beitragen, sein Werk zu pflegen und die Erinnerung an den verehrten Meister zu bewahren.
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Die Welt des
Fritz Kreisler
(1875-1962)
Ein Abend in Wort und Klang
Programm
Chanson Louis XIII et Pavane
im Stile von Louis Couperin
La Précieuse im Stile von Louis
Couperin
Seciliene et Rigaudon
im Stile von Luigi Bocherini
Andantino im Stile von Padre Martini
Variationen über ein Thema von
Corelli
im Stile von Guiseppe Tartini
Pause
Dvorak - Kreisler: Slawischer Tanz in
e-moll
Corelli - Kreisler: Sárabande und Allegretto
Liebesleid, Alt-Wiener Tanzweise
Caprice Viennois
Rondino über ein Thema von Beethoven
Thambourin in Chinois
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Tübingen, im Frühjahr 2002 |
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