 |
<< Presse
19. Dezember 1991
Musik aus Hechingens höfischer Glanzzeit
Ein Projekt von überregionaler Bedeutung wird zur Zeit im Hechinger Rathaus geschmiedet. Kulturamtsleiter Gerhard Nonnenmann bereitet zusammen mit dem Junginger Musiker Jochen Brusch und dem Tübinger Dr. Tilman Allert eine Konzert- und Vortragsreihe zum Thema »Große Komponisten am Fürstenhof« vor. Aufgeführt werden sollen Werke von Hector Berlioz, Louis Spohr. Franz Liszt und Henri
Vieuxtemps, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Hechingen Gastspiele gaben. Der geeignete Rahmen für die Aufführung steht ebenfalls schon fest: Die Konzertreihe soll zur Eröffnung des Hechinger »Museums« gestartet werden.
Die Idee, Musikwerke alter Künstler aus dem vergangenen Jahrhundert in Hechingen wieder aufleben zu lassen, stammte von dem Junginger Jochen Brusch und Dr. Tilman Allert aus Tübingen. Gestern vormittag legte der Geiger aus Jungingen im Hechinger Kulturamt einen ersten Entwurf zur Gestaltung der Musikreihe vor. »Die Bedeutung des Hechinger Fürstenhofes als ein
????trum der Darbietung zeitgenössischer Musik macht man sich heute beim Studium von Stadtführern oder bei stadtgeschichtlichen Exkursen kaum mehr klar«, bedauerte der aus Essen stammende Musiker. Aus diesem Grunde will Jochen Brusch zusammen mit Tilman Allert die Glanzzeit der höfischen Musik während der Regierungszeit von Fürst Friedrich Wilhelm Konstantin und seiner Gemahlin Eugenie musik- und lokalgeschichtlich aufarbeiten.
Geplant sind vier Abende mit Vorträgen und musikalischem Programm van Berlioz. Spohr, Liszt und
Vieuxtemps. Kulturamtsleiter Nonnenmann schwebt sogar ein Diaabend vor, der den Besuchern spätere Veranstaltungen schmackhaft machen soll. Damit verbunden konnte auch eine Konzertveranstaltung mit Musik aller vier Komponisten sein, so die Vorstellungen von Nonnenmann und Brusch. Im Moment sind den Ideen noch keinerlei Grenzen gesetzt.
Gerhard Nonnenmann ist sich jedoch der angespannten Lage im Finanzhaushalt des Kulturamts durchaus bewusst. »Der Planansatz von 1989 wäre durch dieses Projekt sicherlich gesprengt worden«, sagte der Kulturamtsleiter. Und das waren seiner Auskunft nach 20 000 Mark. Trotzdem wollen die Organisatoren nicht auf Sparflamme kochen. »Die Orchesterbesetzung muss hochkarätig sein«, betonte Jochen Brusch und fugte hinzu, dass er an eine europaweite Auswahl bekannter Musiker denkt. Seiner Meinung nach darf es dabei auf ein paar tausend Mark mehr oder weniger nicht ankommen. Vielleicht ließe sich auch seine Orchester aus Osteuropa gewinnen, führte Brusch seine Gedanken weiter aus.
Gerhard Nonnenmann will unter Umstanden sogar andere Kulturprojekte im finanziellen Bereich etwas kürzen, um Gelder freizumachen. Gedacht wird im Kulturamt auch an die Aktivierung von Sponsoren. Die Eintrittskartenpreise möglichst niedrig zu halten ist ein großes Anliegen Nonnenmanns. »Ich mochte kleine elitäre Veranstaltung haben!« Jochen Brusch schränkte diese Aussage jedoch mit der Bemerkung ein, dass künstlerische Darbietungen dieser Art nicht zum Nulltarif zu haben sind. Beide hoffen auf eine wohlwollende Finanzzuweisung im Haushaltsplan der Stadt Hechingen für das kommende Jahr.
Bis diese Frage geklärt ist, stürzt sich Jochen Brusch vor Ort in die Archivarbeit. Alte Zeitungsartikel aus den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sollen Aufschluß geben über die am Hofe Friedrich Wilhelm Konstantins aufgeführten Werke der Komponisten. In gleichem Atemzug soll aus diesen gesammelten Informationen ein die Veranstaltungsreihe begleitendes Heft entstehen. Gerhard Nonnenmann will sich auch dafür einstehen, dass einige Räume im neuen „Museum“ die Namen der Komponisten erhalten. Eine völlige Umbenennung des Gebäudes nach einem der Musiker schließt er jedoch aus: „Das Museum behält seinen Namen bei.“ Für die kommenden Jahre will der Kulturamtsleiter an dem angelaufenen Projekt festhalten. Seiner Aussage nach würde das Repertoire der vier Komponisten für drei bis vier Jahrzehnte ausreichen. Die Zukunft konzertanter Aufführungen im „Museum“ dürfte damit gesichert sein.
|
 |